Auf zur Wies! Über den Brettleweg das UNESCO-Weltkulturerbe besuchen

Wusstet Ihr, dass vor der Toren von München ein Unesco Weltkulturerbe steht, das jedes Jahr genauso viel Besucher wie das Oktoberfest anzieht? Die Wieskirche! Eine wunderschöne Rokkokokirche, um deren Entstehung sich eine spannende Geschichte rankt und die in Ihrer Umgebung mit einem mystischen Moorweg und leckeren bayerischen Einkehrmöglichkeiten ein lohnenswertes Ausflugsziel für Münchner Familien darstellt.

Die Wieskirche und der Brettleweg

Nur eine Stunde von München entfernt befindet sich ein Familienausflugsziel, das weltbekannt ist. Die Wieskirche ist nicht nur eine wunderschöne Rokkoko-Kirche, sondern sie besticht auch durch ihre Geschichte, die selbst Kinder begeistert. Kurz vorab: für Kinderwägen ist die Wanderung nicht geeignet, da der Weg durch das Moor auf Brettern sehr schmal ist.

Die Geschichte um den Gegeißelten Heiland

Um 1730 haben Pater Magnus Straub und Bruder Lukas Schweiger im oberbayrischen Kloster Steingaden ein Geißelsäule mit einer Jesusfigur angefertigt, das aufgrund seiner Einfachheit in der Gemeinde Steingaden in Ostbayern wenig Anklang fand. Es verschwand für mehrere Jahre im Speicher eines Bauernhofes in Steingaden. Bis zu dem Tage, als die Bäuerin Maria Lory aufgrund der Brutalität ihres Mannes (das müsst Ihr den Kindern natürlich netter verkaufen) zu dieser Jesusfigur betete und um Hilfe bat. Als daraufhin die Jesus-Figur zu weinen began, erhielt die Sage um den „Gegeißelten Heiland“, wie er bis heute genannt wird, seinen Anfang.
Heute pilgern hauptsächlich Touristen zur Wies, um die Jesus-Figur zu besuchen, aber vor mehreren hundert Jahren bekam der Gegeißelte Heiland eine solche Bedeutung, dass die Gläubigen europaweit nach Bayern strömten, um diesen zu sehen. Dies veranlasste die Gemeinde, die Figur aus dem Dachboden erst in eine kleine Kapelle zu transferieren, die immer noch vor der Kirche zu sehen ist. Um ihm anschließend eine wunderschöne Kirche zu bauen, die bis heute Millionen von Touristen anzieht.

Johann Baptist und Dominikus Zimmermann werkelten 9 Jahre an dieser Rokkokokirche, in der die eigentliche Jesusfigur kaum mehr wahrzunehmen ist. Wir mussten es bei unserem ersten Besuch tatsächlich zwischen all dem Prunk suchen! Richtig interessant sind übrigens auch die Bitt- und Dankesbriefe an den Gegeißelten Heiland, die sich im linken Flügel der Kirche befindet.

Anfahrt

Am besten erreicht Ihr die Wies über die A96 bis Landsberg West, dann weiter über die B 17 Richtung Füssen. Sobald Ihr durch Steingaden fahrt, geht links eine Straße ab, die die Wieskirche bereits ausschildert. Jetzt nur noch den Schildern folgen.
An der Wieskirche angekommen, parkt Ihr zwischen Reisebussen und Autos auf dem großen kostenpflichtigen Parkplatz. Ob Ihr Euch vor dem Spaziergang oder anschließend die Wieskirche anschaut, sei Euch überlassen.

Der Brettleweg

Der Brettleweg ist ausgeschildert und führt -auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig- an den beiden Gaststätten vorbei quasi durch einen Bauernhof hindurch auf eine große Wiese. Diese durchquert Ihr und erreicht rechterhand ein Waldstück, das Euch auf den Brettleweg führt.
Der Brettleweg macht seinem Namen alle Ehre: da der Weg durch ein Moor führt, haben sich die Steingadener die Mühe gemacht, eine Art Steg durch das Moor zu bauen. Keine Angst, dass Ihr neben den Steg zu tritt, ihr bekommt lediglich nasse Füße!
Plötzlich seid Ihr in einer ganz anderen Landschaft, weit und breit nur lila- grünes Moos, keine Bäume weit und breit. Kaum zu glauben, dass man in Bayern sein soll. Sehr eindrucksvoll!
Der Weg über die Bretter dauert je nach Tempo keine halbe Stunde, anschließend kommt Ihr in einen wunderschönen Wald, den Ihr entweder der Wegbeschreibung folgend bis Steingaden weiterlauft (ca. 45 Minuten einfach) oder nach einem kurzen Abstecher in den Wald wieder über den Brettlesweg zur Wies zurückkehrt. Solltet Ihr nach Steingaden wandern, lohnt ein Abstecher zum Fischerhaus, in dem ihr nicht nur Fisch, sondern auch leckere Kuchen in riesengroßen Stücken verspeisen könnt. Dementsprechend gestärkt fällt der Rückweg umso leichter.

Einkehrtipp

An der Wieskirche wieder angekommen, sucht Euch eines der drei Gasthäuser rund um die Wies aus (allesamt zu empfehlen, gute bayerische Küche, faire Preise). Oder Ihr fahrt noch ein paar Minuten weiter und kehrt in Wildsteig im Gasthaus zur Post ein. Unser Geheimtipp! Gemütlich im Innenhof beim plätschernden Brunnen sitzend, werdet Ihr hier wirklich mit ausgezeichneter bayerischer Küche und herzlichem Service von den barfuß herumlaufenden Besitzern verwöhnt.

Bilder: Wolfgang Ehn, Tourismusverband Pfaffenwinkel

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