Dolcilicious – coming soon! Wahrscheinlich. Hoffentlich. Vielleicht…

Als vor 2 Jahren bei meinem Arbeitgeber ein Freiwilligenprogramm aufgesetzt wurde – also für jeden die Möglichkeit mit Abfindung zu gehen – war ich erstmal kurz geschockt: eines von Münchens top Unternehmen und nun wurden im großen Stil Stellen abgebaut und es hat sich gleich abgezeichnet, dass wirklich gute Leute gehen. Schnell habe ich es aber dann als DIE Chance für mich gesehen, meinen seit Jahren immer konkreter werdenden Traum vom eigenen Café anzugehen. Nach einer Orientierungsberatung bei einem externen Unternehmen und vielen Gesprächen mit meinem Mann und meinen Freunden, habe ich mich dann dazu entschlossen, meinen sicheren Job zu verlassen. Auf dass ich mit 60 nicht da sitze und mir sage, hätte ich es nur mal probiert…

Dolcilicious – coming soon! Wahrscheinlich. Hoffentlich. Vielleicht…

Was sich nun so relativ locker anhört, war im letzten Jahr ein Haufen Arbeit. Ich bin eigentlich Mathematikerin, mit Ernährung und backen habe ich mich zwar immer schon beschäftigt und kenne mich auch gut aus, aber selbständig war ich noch nie. Auch meine Gastro-Erfahrung ist eher nicht vorhanden. Aber ich bin strukturiert und motiviert und so bin ich das einfach Schritt für Schritt angegangen. Ich war in einer Existenzgründer-Projektgruppe, habe mir Tipps von erfahrenen Leuten geholt, mich mit Marketing und Businessplan auseinandergesetzt usw. Die größte Anstrengung bezog sich auf den fehlenden Konditormeister – der Konditorberuf ist nämlich Meister-geschützt. Sobald man außer Haus verkaufen möchte oder etwas raffiniertere Gebäcke anbieten möchte, muss man Konditormeister sein, einen als Betriebsleiter einstellen oder eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Letzteres habe ich gemacht, zum Glück wurde dem auch stattgegeben. D.h. ich wurde zu einer theoretischen und einer praktischen Eignungsprüfung zugelassen, die wirklich nicht ganz ohne waren. Also hieß es lernen, lernen, lernen. Und zwar in Teilzeit, denn ich war ja auch noch Mutter.

Die perfekte Location – das Traumcafé gefunden

Im November hatte ich die Genehmigung dann in der Tasche. Und noch besser: Das Café direkt gegenüber unserer Wohnung stand leer. Parallel dazu hatte ich mich dahintergeklemmt und den Zuschlag schließlich auch bekommen! Ich war total happy (und bin es immer noch). Nach den Weihnachtsferien fing ich mit den Renovierungsarbeiten an, finalisierte meinen Businessplan, schrieb Rezeptbücher für meine Angebote, suchte Lieferanten und Personal, bestückte die Spieleecke, beauftragte den Webdesigner, kaufte eine richtig gute Kaffeemaschine, einen neuen Ofen, zwei Küchenmaschinen usw. Ich war erstaunt, wieviel Geld es doch kostete. Aber ich sagte mir, es wird gut laufen, hier fehlt ein tolles Café mit hausgemachten Kuchen und einem nachhaltigen Konzept, in das man auch mit Kindern gehen konnte.

Statt Eröffnungsfeier nun Isolation daheim

Kurz hatte ich überlegt, ob ich es schaffen kann, am 1. März zu eröffnen, musste aber einsehen, dass das zu eng wurde. Also visierte ich den 1. April an. Und was dann im März passierte, muss ich ja nicht erklären. Statt Eröffnungsfeier nun Isolation daheim. Mit Kinderbespaßung, Mann teils krank, teils im Home-Office und ich gefühlt nur am Essen machen. Ja, offiziell dürfte ich zum liefern aufmachen. Aber zum einen lohnt es sich dafür vermutlich nicht. Zum anderen sind natürlich die letzten Wochen vor Eröffnung arbeitsintensiv. Und Zeit zum arbeiten ist wie bei allen Eltern grad Mangelware. Ja, das Kind beschäftigt sich auch mal selbst. Aber die Situation gerade beunruhigt es auch. Auch wenn wir darüber reden und ich viel erkläre. Es braucht dennoch viel mehr Zuwendung und ist viel anhänglicher als sonst. Und im Café starten ohne jegliche Kinderbetreuung ist einfach unrealistisch. Also warte ich nun. Meine ganze Abfindung steckt im Café. Ob mein Antrag auf Existenzgründungszuschuss durchgeht, weiß auch keiner. Ich frage mich die ganze Zeit, ob angesichts der Milliardenhilfen für so etwas noch Geld da ist oder ob die Agentur für Arbeit angehalten ist, hier deutlich restriktiver zu sein. Zusätzlich zum wirtschaftlichen Aspekt fällt mir die Decke auf den Kopf und ich bin unterfordert. Vorlesen und Memory spielen füllt mich einfach nicht aus.

Mein Fazit

Aber dann denke ich an die Ärzte in den Krankenhäusern in Italien und Spanien und denke, im Vergleich dazu habe ich es noch gut. Es wird schon irgendwann wieder besser werden. Und dann wollen die Leute wieder raus und das Leben einfach leben und das Café wird boomen. Wahrscheinlich. Hoffentlich. Vielleicht…

dolcilicious – Agnesstr. 2 – 80802 München, gleich beim Elisabethplatz
dolcilicious.de

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1 comment

  1. Liebe Dolcilicious-Gründerin,

    vielen lieben Dank für deine ehrliche Geschichte. <3

    Bei uns ist es mit den Kindern ganz genauso. Vereinbarkeit müssen auch wir gerade nochmal ganz neu buchstabieren.
    Natürlich sehe ich all die Chancen und schönen Momente, die darin stecken. Und es macht mich auch traurig. Loslassen ist für mich gerade eine große tägliche Übung.

    Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Kraft, den die spricht für mich aus deinen Zeilen, und drücke die Daumen, dass das Café ganz bald eröffnet werden kann und komme dann sehr gerne auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen vorbei.

    Alles Liebe, Maria

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