Homeschooling + Geschäftsführung remote – mein Corona-Marathon mit 4 Kids

Jetzt ist er da, der Alptraum vieler Wissenschaftler, die gelebte Apokalypse aus Fiction-Romanen, das Thema, das seit vielen Jahren als Damoklesschwert über uns schwelt: eine Pandemie!

Ich weiß nicht, wie es Euch ergangen ist: Ich habe die Situation ehrlicherweise vor drei Wochen noch belächelt. Typisch China, mal wieder so eine SARS-Hysterie, gefundenes Fressen für alle Atemmaskenfetischisten. So naiv bin ich an dieses Thema rangegangen. Und wurde mit jedem Tag mehr von der Realität eingeholt.

Der erste richtige Aufschlag, der erste echte Schock, kam mit der Schließung der Schulen. Als Vollzeit beschäftigte Mutter von drei schulpflichtigen Jungs und einem vierten im Kindergartenalter ist das der Inbegriff von Katastrophe. Die Krokodilstränen, die ich deshalb in unserer Agentur bei der Verkündung dieser Maßnahme vergossen habe, kamen für meine Kollegen vorletzte Woche sehr überraschend – das können wahrscheinlich nur Mütter nachempfinden. Dass das aber nur der Anfang allen Übels war, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst.

Homeschooling + Geschäftsführungremote – mein Corona-Marathon mit 4 Kids

Heute, fast zwei Wochen später, unterrichte ich vormittags von 8 bis 13 Uhr – mehr schlecht als recht – drei Schulkinder unterschiedlicher Altersklassen. Und versuche währenddessen den kleinsten im Bunde (4 Jahre) bei Laune zu halten, ohne dabei ständig auf den Fernseher zurückzugreifen. 

Sorry Greta, die Weltrettung muss bei uns daheim grad ausfallen

Da hole ich mir die neuesten Infos aus drei Whatsapp-Klassenchats und arbeite mich durch die verschiedenen Lehrer-Emails des Tages. Ich logge mich in MEBIS ein (überlastet), in das eigens geschaffene Schulportal unseres Gymnasiasten (8 Fächer in verschiedenen Ordnern zum Download und Upload bereit), öffne Dropboxes, zip-Dateien und Google Drive-Ordner und drucke Wälder-weise Arbeitsblätter aus (Viele Grüße an Greta!). 

Sprich, ich ackere mich durch den gesamten Schulstoff einer regulären Ante-Corona-Woche, jeden Tag von ambitionierten Lehrern neu zusammengestellt und von engagierten Elternsprechern weitergegeben. 

„Mama, ich schneid mir grad die Haare!“

Und tue mir reichlich schwer, gleichzeitig mit meinem Erstklässler lesen zu üben und mit dem Großen Latein-Übersetzungen durchzugehen. Während der Viertklässler einen Wutanfall bekommt, weil ihm nur 15 statt 16 Bundesländern einfallen. Das Saarland kennt man in Bayern halt auch nicht. 

Zwischenzeitlich logge ich mich per Google Hangouts in berufliche Telcos ein, stelle mich schnell auf „mute“ und versuche irgendwie dem Gesagten zu folgen. Wenn ich dann an der Reihe bin, fuchtelt mein Jüngster mit einer Schere vor meinen Augen (und den Augen der anderen) herum und verkündet begeistert: „Mama, ich schneid mir grad die Haare!“. Oder: „Maaama, Du hast mir Schokolade versprochen, wenn ich fünf Minuten ruhig bin – die sind jetzt rum!“ Wie soll man da als Geschäftsführerin ordentlich arbeiten können? 

Immerhin: Die Firma läuft. Aber ich bin nur noch Zaungast

Währenddessen macht das unsere Agentur so gut: Da werden virtuelle Workshops mit Kunden im Zehn-Mann-Team abgehalten, unsere Kollegen tauschen sich untereinander und mit den Kunden in Online-Terminen tagtäglich aus. Sie teilen unzählige Dokumente, feilen gemeinsam an Präsentationen – nicht viel anders als zuvor, bloß eben jetzt ausschließlich remote. Es läuft – ich bin bloß nur als Zaungast dabei.

Die Coronakrise hat die Emanzipation kurzzeitig einige Jahre zurückgeworfen

Mir ist bewusst, dass es vielen Menschen schlechter als mir geht, dass sie aktuell mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben. Aber ist nicht gerade jetzt der Zeitpunkt, wo jeder seine Situation ehrlich schildern darf? Meine ganz ehrliche Meinung: Die Coronakrise hat die Emanzipation kurzzeitig einige Jahre zurückgeworfen. Unsere Politik spannt milliardenschwere Rettungsschirme für betroffene Unternehmen. Das ist gut und richtig. Aber wer kümmert sich um eine weitere, riesige, Corona-gebeutelte Gesellschaftsgruppe, die der berufstätigen Frauen mit Kind(ern)?

Natürlich ist mein Mann engagiert und sich unserer schwierigen Situation bewusst. Aber auch er arbeitet Vollzeit in einer Führungsposition – und zieht das deutlich souveräner durch als ich. An „seinen Tagen“ – wir schachern jetzt wieder um Tage, wie zu Zeiten, als unsere Kinder Babys waren und jede Stunde Schlaf und Ruhe einen Segen bedeutete – kümmert er sich zwar auch um die Kids, aber eben auf seine Weise. Die Tür ist zu, Papa telefoniert und die Jungs machen ihre Hausaufgaben. Aber eben nur mehr oder weniger. 

Das ist mir an „meinen Tagen“ zu wenig – ich möchte sie ordentlich unterrichten, will aber auch weiterhin die Agentur so führen wie zu Zeiten vor Corona. Ein zu hoher Anspruch, das ist mir klar. Aber wo Abstriche machen? Im Zweifel sicher nicht bei den Kindern. Also baue ich auf meinen Geschäftspartner, einem Mann ohne Kinder, der mir immer den Rücken frei hält, nicht nur, wenn ich mich um die Kids kümmern muss. Und freue mich auf die Zeit nach Corona.

Ich hoffe, dass wir alle gesund bleiben und – schließlich ist das das Allerwichtigste – diese Wochen unbeschadet überstehen. Und höre schnell auf und setze mich mit meinem Ältesten mit der Flächenberechnung eines Trapezes auseinander – bis der nächste Anruf kommt.

 

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